Kritik: Gib Dir Dein Leben Zurück

Klein und Kunst

 

Vor 2000 Jahren war die Auferstehung eine ganz andere als heute - ohne diese grauslichen Körpereinstiche und vor allem ohne Felsengrab. Sozusagen als Ebenbürtiger durchlebt der als Christian Dworschak geborene und pikanterweise auch verstorbene Werbeguru Chicko eine selbstinszenierte Auferstehung und bespricht mit Jesus dessen werbetechnische Anfängerfehler von seinerzeit und die Imageprobleme des Christentums unter deutscher Geschäftsführung. Er hadert mit Muttern, die ihm doch tatsächlich eine Krawatte fürs Begräbnis umband und mit dem neben ihm liegenden Vater, kann ihm jetzt endlich das alles sagen, was er sich früher nie und nimmer getraut hätte.

 

Er hat das alles ungemein raffiniert eingefädelt und inszeniert, der Chicko. Bordellinhaberfreund Heinzi hat ihm ein Emergency-Kit mit in den Sarg gegeben und wird ohnehin bald auftauchen. Und dann geht es richtig los: zuerst die Auferstehung im Beisein einer HORIZONT-Redakteurin, und dann der Durchstart mit dem sensationellen Bio-Energy-Drink, das dir dein Leben zurückgibt, benannt nach ihm höchstpersönlich - Chicko.

 

Es wäre nicht Pepi Hopf an der Tastatur gewesen, wenn die an sich schon schräge Story nicht noch einiges an Kapriolen zu bieten hätte, vor allem gegen Ende zu, wo eine Überraschung die andere jagt. Dass Hopf illustre, verquere Geschichten erzählen kann, hat er des öfteren bereits bewiesen, dass er aber eine völlig abgefahrene Story wie diese mit beinahe unglaublich realistischen Szenetypen klar, deutlich und vor allem dramaturgisch logisch dermaßen perfekt in Richtung Lymbisches System jedes einzelnen Zuschauers transportieren kann, ist für Hopf-Kenner nicht nur neu und überraschend, sondern liegt offensichtlich an zwei Dingen: an einem wirklich guten Text eines ziemlich reif gewordenen Pepi Hopf und an der Regiekunst Leo Lukas’.

 

Was Hopf mit „gib Dir Dein Leben zurück“ da abgeliefert hat, ist nicht nur vordergründig wirklich lustig, sondern auch hintergründig hochintelligent. Vor allem, was die im Stück vorkommenden Wegbegleiter des Christian Dworschak bis zur Mutation zum gottobersten Werbefuzzi Chicko anbelangt. Exakt gezeichnete Charaktere, wirklich Typen, sauber herausgearbeitet bis ins letzte dialektische Detail samt grenzdebilem Grinser. Vor allem aber - die gibt es wirklich, heißen beim Hopf nur anders und haben sich möglicherweise auf Charaktersymbiosen einlassen müssen.

 

Dazu kommt, dass es Hopf gelingt, seinen Protagonisten dermaßen verblüffende Wuchteln zu entlocken, dass selbst pointenimmune Kabarettdauerbesucher die Wiedergeburt der Lachkrämpfe zur Kenntnis nehmen mussten.

 

Ein Programm, das man nicht nur gesehen haben sollte, sondern auch eines, das ein Höchstmaß an Nachhaltigkeit mitschwingen lässt. Und zwar nicht nur unmittelbar danach, sondern auch noch Tage später. Es gibt viel zu diskutieren - holen Sie sich Ihr Leben zurück!

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