Kritik: Schleudern! Ein Abend Im Feinripp

Klein und Kunst 14.11.2007

Wer kennt es nicht, das Sockenproblem. Sie gehen als Paar in die Trommel und kommen solo raus.  Was so ein Sockenproblem auslösen kann, zeigt uns Pepi Hopf anhand der Figur des Karl Jirasek, Zwangsneurotiker, arbeitslos aber nicht -suchend, also Privatier und in einem Universum in Wohnungsgröße lebend. („Ich liebe das Leben, aber Menschen mag ich nicht, deshalb gehe ich seit 2003 nicht außer Haus.")

Jirasek, in Feinrippunterwäsche, glaubt gegen alle Widrigkeiten des Lebens gewappnet zu sein - die Schmutzwäsche etwa hat er ordentlich auf Karteikarten katalogisiert- , und da er die Fernsehwelt als seine Realität ansieht, helfen bei der Lösung des schon erwähnten Sockenproblems Plan B, die Pistole, und Clint Eastwood als Vorbild. Die Anwesenden im Waschsalon - von Jirasek als Sockendiebe identifiziert - werden als Geiseln genommen: ein ÖVP-Bezirksrat aus Floridsdorf („Konsequenz ist wenn man fünfe gerade sein lässt"), ein Gagschreiber für einen TV-Comedian („Ansich mach ich ja poetisches Kabarett...") und ein Pornofilmproduzent („...eine Geiselnahme? Mein Gott, man muss die Krise als Chance sehen."). Also, leicht hat es der Karl Jirasek weiß Gott nicht. Aber die Aussicht auf einen Auftritt im Fernsehen, live zur Primetime in ORF 1 und 2, bringt Farbe in seine triste graue Lebensperspektive. Hopf monologisiert als Jirasek („ich rede nur mit intelligenten Menschen, also führe ich Selbstgespräche")  setzt sehr gezielt Pointen und bissige Seitenhiebe, u.a. auf das AMS oder die ORF-Reform.

Im zweiten Teil lässt er seine Geiseln zu Wort kommen und gibt auf diese Weise den drei unterschiedlichen Figuren Raum, was dramaturgisch sehr gut gewählt ist. Das gibt Hopf Gelegenheit, zeitgleich in sehr unterschiedliche Charaktere zu schlüpfen, in rasantem Tempo die Rollen zu wechseln und dabei auch Sprechweisen gekonnt zu ändern. Die Aussicht auf 15 Minuten Ruhm lockt auch aus den drei Geiseln das Schlechteste hervor. Welche Abgründe sich da noch auftun! Da findet man den Jirasek ja fast noch sympathisch. Eins fügt sich zum anderen, der Socken taucht schließlich auch wieder auf, die türkisfarbene Wäsche ist gewaschen, der Jirasek kann nach Hause gehen.

Nach „Gib dir dein Leben zurück" beeindruckt und begeistert Pepi Hopf das Publikum auch in seiner zweiten Zusammenarbeit mit Regisseur Leo Lukas mit einer spannenden und temporeichen Geschichte, schrägen Figuren und einer schauspielerischen Leistung auf höchstem Niveau. "Go ahead, make my day", würde Clint Eastwood sagen.

Margot Fink

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