Kritik: Schleudern! Ein Abend Im Feinripp

Der Standard 09.01.2008

Pepi Hopf brilliert mit "Schleudern!"

Wien – Dass die beim Waschen auf mysteriöse Weise verlorene Socke durchaus eine Tagebucheintragung wert sein kann, hat Andy Warhol mehrfach bewiesen. Dass man aber darob wie Michael Douglas in Falling down ausrasten kann, führt der Kabarettist Pepi Hopf nun in schleudern! vor.

Auf recht geniale Art: Er stellt erneut seine Kunst der En-passant-Gesellschaftskritik unter Beweis.

Seine Figur Karl Jirasek einen Menschenfeind zu nennen griffe zu kurz: Er, Opfer des Konsumismus wie des Internets, scheut jeden Kontakt zur Umwelt. Sein durchstrukturiertes Leben als Privatier – das Geld reichte vor der Euro-Einführung bis zum 154., nun nur mehr bis zum 120. Lebensjahr – gerät daher schon aus den Fugen, wenn es Lieferprobleme mit der neuen Waschmaschine gibt. Und so muss der Zwangsneurotiker eine Expedition in die Wirklichkeit antreten: in einen Waschsalon. Denn wie jeden vierten Samstag hat die türkise Wäsche gewaschen zu werden – als 53. Waschgang im Rahmen einer Studie mit deren insgesamt 60.

Doch die Waschmaschine ist nicht jene, wie auf der Homepage angegeben. Und als dann auch noch eine Socke weg ist, zückt dieser Herr Karl einfach seine Pistole und nimmt die drei anderen Kunden als Geiseln.

Mit der Pause endet der innere Monolog: Der Pornofilmer, der VP-Bezirksrat und der Comedy-Autor hatten ihren Kidnapper überrumpeln und (wie Hänsel und Gretel die Hexe) in die Waschtrommel bugsieren können. Was sich in der Regie von Leo Lukas alles ereignet, bis Karl Jirasek als Deus ex machina wieder erscheint, sei hier nicht verraten. Aber auch bei diesen wider Willen Verbündeten, allesamt von Pepi Hopf verkörpert, tun sich erschreckende Abgründe auf ...

Thomas Trenkler

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