Kritik: Dirty Pepi

ORF Online 07.02.2010

Im fiktiven Provinznest Teichseiten hat Pepi Hopf sein neues Solo "Dirty Pepi" angesiedelt. Und der Titel lässt es bereits vermuten: Es sind allesamt keine Saubermänner, die man in dieser 600-Seelen-Gemeinde antrifft - auch wenn sie sich selber, in all ihrer Hinterhältigkeit und Boshaftigkeit, durchaus als besonders human geben.

Da wäre einmal jener vereinsamte Lehrer, der jede freie Minute auf einer Autobahnbrücke verbringt und den Vorbeifahrenden zuwinkt. Wenn er wollte, könnte er auch einen bereit liegenden Ziegelstein hinunter werfen, aber er verschont seine Mitmenschen. "Ich weiß, ich habe Leben geschenkt, ich habe eine gute Tat vollbracht."

Tiefe Abgründe
Unter der bewährten Regie von Leo Lukas führt Pepi Hopf in "Dirty Pepi" neben dem verschrobenen Autobahnbrückenwinker fünf weitere, höchst abgründige Bewohner von Teichseiten vor. Den übereifrigen Gemeinderat und Tourismusbeauftragten, der mit abstrusen Ideen wie der Errichtung einer Kaltwassertherme dafür sorgt, dass null Gästebetten immer zu 100 Prozent ausgelastet bleiben, den Bürgermeister, der die EU-Förderung für sich allein einstreift, den Häuslbauer, der seinen Nachbarn schikaniert, den Hobby-Griller, der naturgemäß alle Vegetarier verachtet, und einen verschlagenen Immobilienmakler.

"Ich bin sozusagen ein gesellschaftlicher Mistkübel-Stierler", erklärt Pepi Hopf im Interview. "Teichseiten ist ein Symbol für Engstirnigkeit und Kleingeistigkeit. Weil ich selber seit sechs Jahren am Land lebe, spielt die Geschichte in der Provinz. Sie könnte aber genauso gut in einem Großstadt-Grätzl spielen."
 
Irgendein Unterschied muss sein
Ganz ohne Requisiten, nur mit unterschiedlicher Körperhaltung und Dialektfärbung, überzeugt Pepi Hopf in jeder der sechs Rollen. Etwa als Bürgermeister, der sich in einer kulturellen Ost-West-Zange wähnt. "Von der einen Seite kommt der Muezzin, von der anderen der Halloween", befürchtet er und hat dennoch zwei türkische Familien in seiner Gemeinde aufgenommen. "Aber denen hab ich gleich g'sagt, um ein Minarett braucht's ihr bei mir gar nicht ansuchen. Ich hab euch eh schon die Satellitenschüssel genehmigt. Noch ist das unsere Kultur! Da ist die Kirche das höchste Gebäude in der Ortschaft - nach dem Lagerhaus-Silo."

"Dirty Pepi", dieses Panoptikum unsauberer Gestalten, ist Volkstheater auf hohem Niveau und in bester nestroyscher bis horvathscher Tradition. Und auch wenn Pepi Hopf am Anfang und am Ende des Programms kurz als er selbst auf der Bühne erscheint, so wird man von einer zusammenfassenden "Moral der Geschicht'" zum Glück verschont und kann sich so seinen eigenen Reim auf Teichseiten und seine Bewohner machen.
 
Burgenland ist überall
Erzählte Pepi Hopf im Vorgängerprogramm "Schleudern! - Ein Abend im Feinripp" noch eine durchgängige Geschichte, so hat er diesmal aus Zeitnot einfach Monologe aneinandergereiht. Denn der Entertainer ist ein viel beschäftigter Mann. Derzeit dreht er mit seinen Kollegen Klaus Eckel und Thomas Stipsits und der Schauspielerin Katharina Schraml eine neunteilige Comedy-Serie fürs Fernsehen. Titel: "Burgenland ist überall."

In ganz ähnlicher Besetzung, nämlich mit seinen Langzeitweggefährten Eckel, Stipsits und O. Lendl, tritt er in einem satirischen Theaterstück des deutsch-isländischen Autors Kristof Magnusson auf. "Männerhort" heißt die Komödie, in der vier Männer auf der Flucht vor ihren Shopping-süchtigen Frauen sind. "Schon Hemingway sagt, wer mit Frauen diskutiert, begibt sich auf ihr Niveau." Also verstecken sich die vier lieber im Heizungskeller eines Einkaufszentrums und frönen dort gemeinsam ihren Hobbys: Biertrinken, Pizza essen, Fernsehen. Frauen, so vermuten sie, Frauen brauchen keine Hobbys, sie haben ein Innenleben, mit dem sie sich beschäftigen können, wenn ihnen fad ist.

"Das Stück ist gut", lobt Pepi Hopf, "aber ein Großteil des Erfolgs hat einfach auch mit dem Spaß zu tun, den wir vier beim Spielen auf der Bühne haben."
 
» Programminfos: Dirty Pepi

» Zur Übersicht aller Kritiken
» Zur Übersicht aller Programme