Kritik: Dirty Pepi

Wien live

Unglück auf dem Lande

 

Achtung Dörfler! Im Programm „Dirty Pepi“, das Mitte Jänner Premiere hatte, wandert Pepi Hopf gekonnt in den Fußstapfen des großen Ödön von Horvárth, der in seinen Theaterstücken mit kaltem Blick die Tristesse seines Personals skizzierte, ohne seine Figuren zu denunzieren. Ort des Geschehens ist ein Dorf in der Nähe Wiens – und von Idylle keine Spur. Ein Figurenkabarett der feinsten Sorte.

Nach fünf Minuten VHS-Kurs „Umgang mit Vorurteilen“ als Intro startet das Programm furios. Seit Jahrzehnten steht da einer – auch der Papa hat´s schon so gemacht – in jeder freien Minute auf der Autobahnbrücke und winkt den drunter durchfahrenden Autos in bundespräsidentlicher Huld zu. Er hat ja sonst nichts im Leben – und die Einsamkeit würgt beträchtlich, wie er in der Rückschau zu erkennen gibt. Er ist der erste Vertreter des ruralen Pandämoniums, dem Hopf hier Stimme, Körper und eine eigene Geschichte verleiht.
 
Man glaubt sie ja alle zu kennen, die wichtigmacherischen Wichteln auf der Bühne, die Pfuscher mit dem verpfuschten Leben, der Bürgermeister, der kein Meisterbürger ist, die Nachbarn in Todfeindschaft. Man lacht noch auf dem Heimweg aus vollem Herzen, bis man drauf kommt: Ein wenig war man auch selbst gemeint. Nebenbei: Durch die offene Form des Stücks ist es möglich, dass noch weitere Dorfschranzen dazukommen.
 
Erich Demner / Februar 2010
 
» Programminfos: Dirty Pepi

» Zur Übersicht aller Kritiken
» Zur Übersicht aller Programme