Kritik: Gib Dir Dein Leben Zurück

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Die Geschichte beginnt in einer Gruft, in der Art Director Chicko nach seinem vorgetäuschten Tod und einer fiktiven Bestattung auf die Befreiung wartet. Und das alles nur, um einen neuen Energy-Drink zu bewerben. Während dieser Wartezeit lässt er sein Leben Revue passieren.

Das Publikum erfährt von seinen Anfängen in der Werbebranche als Praktikant. Schon damals das Liebkind des Agenturchefs arbeitet er sich mithilfe nicht unwesentlicher Beteiligung eines durch das jahrelange Arbeiten gehörgeschädigten Druckers hoch. Der Ahnungslose ist ihm immer wieder Quell der Inspiration, wenn er nach Vorgaukelung von Interesse an seinem Leben Statements wie „Großer Wert - kleiner Preis“ loslässt. Eben dieser Slogan verhilft Christian „Chicko“ Dvorak zum Durchbruch vom einfachen Praktikanten zum gefeierten Werbestrategen. Weitere Zitate des kleinen Mannes an der Druckmaschine, wie „Bua, iss was gscheits!“ oder „Weg mit dem Speck“ ebnen seinen Karriereweg.

Es läuft alles wie geschmiert, solange bis der Drucker in Pension geschickt und durch eine billige chinesische Kraft ersetzt wird. Die Glückssträhne von Chicko reißt ab. Auch die Geldanlage, ein Fond jener Firmen, die auf den neuen, metrosexuellen Trend setzen, in die er sein Privatvermögen investiert hat, entwickelt sich nicht wie gewünscht. „Metrosexualität: Männer, die sich die Muschis rasieren.“

 

Da erinnert er sich an seinen Freund Heinzi, einem der Zeichensprache zugetanen Puff-Besitzer, bei dem er schon lange Stammkunde ist. „Ich geh ins Puff, weil ich arbeit' nur mit Profis z'samm.“ Dieser hatte ihm unlängst von einem Medikament, das er aus ominösen Kreisen bezog und einen ein paar Tage tot erscheinen lässt, erzählt. Nach dem letzten Strohhalm greifend, entwickelt Chicko daraus einen Marketing-Coup der Sonderklasse für einen Bio-Energy-Drink. Chicko schluckt die Tabletten, täuscht Tod durch Herzversagen vor („Die Zielgruppe muss sich ja identifizieren können.“) und wir beerdigt. Sein Freund Heinzi als Vertragspartner soll ihn dann nach Ablauf der Wirkung des Mittels befreien. Der Slogan dazu: Chicko - gib Dir Dein Leben zurück.

Es passiert, womit keiner gerechnet hat: Heinzi wird vom Leichenwagen überfahren. Der Kreis schließt sich und auch der pensionierte Drucker, der als einer der wenigen das Grab besucht und dessen Hörgerät nicht funktioniert – „Da redt eh keiner mit mir.“ - kann ihm trotz lauter Schreie nicht helfen...

 

Pepi Hopf brilliert in seinem neuen Programm unter der Regie von Leo Lukas. Er switcht zwischen den einzelnen Charakteren, wobei ihm die besonders unsymphatischen am meisten liegen, und haucht jedem einzelnen Leben ein. Besonders hervorzuheben ist die Person des Puff-Besitzers Heinzi, der ob seiner Unfähigkeit, Dinge in Worte zu fassen, beim Publikum Lachanfälle auslöst. Was sehr bedächtig und ruhig mit einem Gespräch zwischen der Hauptperson Chicko mit Jesus am Kreuz anfängt, hantelt sich zu einer wahren Pointen-Kaskade, die das Publikum mitreißt. Die Geschichte ist gut durchdacht und überrascht zum Ende hin immer wieder mit neuen Wendungen. Nicht unerwähnt darf auch die schweißtreibende Zugabe - der NDW-Song „Packeis in der Mikrowelle“ inklusive Tanzeinlage - bleiben, die dem routinierten Kabarettisten das Letzte abverlangt. Pepi Hopfs neues Werk wird hoffentlich nicht lange Geheimtipp bleiben.

 

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